KUNST&.WISSENSCHAFT

Kann der perspektivische Naturraum in der Bildkunst auch heute noch ein Bild unserer Wirklichkeit vermitteln? In einer 17-min. Video- Aufzeichnung spricht Erich Wilker von einer neuen Wirklichkeit, von einer neuen Landschaft des Denkens, einem neuen ABC in der Bildkunst. Die Perspektive ist in gleicher Weise ein zeitgeschichtliches Merkmal unseres Bewusstseins, so wie es die christliche Bildkunst in Verbindung mit dem Naturraum über viele Jahrhunderte war.
Abb: Leonardo da Vinci
Männerkopf-Studie
Ausschnitt, SW 1474 bis 1478 (Wikipedia)
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Unser Verständnis von Wirklichkeit ist ein über Jahrtausende entwickeltes, zunächst weitgehend über das Auge erkanntes, räumliches Begreifen, Sehen und Erkennen gewesen. Mit der Entwicklung von Bewusstsein, den ersten Höhlenmalereien, Werkzeuge, der Sprache, der Schrift, dem Wissen und der technologischen Welt, veränderte der Mensch diese natürlichen Strukturen in eine neue Kulturlandschaft.

Paul Cézanne war der erste Künstler, der jenseits des Naturraumes ein neues, quasi ein „zweites Bild" der Natur suchte. Das war die Stunde 1, der erste Schritt zu einer neuen Bildsprache, zur aktuellen, modernen und vielfach ungegenständlichen Bildkunst unserer Tage.
Abb. links: Paul Cézanne um 1895
Titel: Laub, ausgestellt in der Galerie 291,
New York 1911 (SW geändert Wikipedia)
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Pablo Picasso erweitert die grundlegende Erneuerung von Paul Cézanne zu einem „ungegenständlichem“ und abstrakten Bild, weitgehend losgelöst vom Naturraum und macht 1907 das erste kubistische Bild in der Kunstwelt. Diese Auflösung des Naturraumes war der erste Schritt zu einem neuen Fenster und Ausblick in eine grundlegend neue Bildsprache, einem neuen „ABC“ der Darstellung unserer Wirklichkeit.
Wissen macht heute Bausteine des Lebens sichtbar, die alleine über unser Auge verschlossen geblieben wären. Wir erkennen und bewältigen Wirklichkeit zunehmend über unser Denken, Wissen, dem Bewusstsein der Kommunikation und künstlicher Intelligenz.
Oder war die Abstraktion doch nur eine schöne Spielerei einiger Künstler?
„Der Mensch will Wissen. Das Stück spielt“, so Erich Wilker 1974. Wer heute mit dem Internet eine Reise tätigt, findet diese Wissenslandschaft als banale, alltägliche Wirklichkeit. Von der ersten Orientierung bis zur Reise benutzen wir Geräte, Knöpfe, Karten, Sprache und akustische, optische Signale. Abstraktionen, die einzig über die Bausteine des Wissens erkannt und über das Denken zu „begehen“ und zu nutzen sind.
Denken ersetzt die Perspektive des Naturraumes. So wie wir früher Landschaften, Bäume, Seen, Wälder und Menschen dargestellt haben, gibt es ein neues „ABC“, ein neues Darstellungsprinzip heutiger Wirklichkeit. Das ist die objektive Form des Wissens in unserer Wirklichkeit und in der Bildkunst von Erich Wilker. Seine Kunst macht Wissen als wesentlicher Bestandteil unserer Wirklichkeit sichtbar.
Wiedererwachen des MENSCHEN
Prof. Neiza Teixeira,
März 2008 über Erich Wilker (Ausschnitt)
Was wir heute fordern - einschließlich dessen, wofür Al Gore den Nobelpreis erhielt - ist in seinem Werk vorhanden. Ein Aufruf zur Erhaltung und Anerkennung der Erde als notwendiges Element für das Verständnis dessen, was ein Kunstwerk ist, und dessen, was es enthüllen kann, wie Heidegger es wollte, macht es auch Erich Wilker, reich an Eleganz und Kraft. Zur gleichen Zeit, als Beuys behauptete, die Welt sei eine Plastik, dass also alles in der Welt Kunstwerk sei und der Mensch einen anderen Weg einschlagen könne als den bisherigen, schuf Erich Wilker Seite für Seite ein neues Habitat für den Menschen.
Der Mensch und die Natur sind Kunstwerke, aber deshalb kehrt Wilker nicht zum Naturalismus zurück; hier sieht man die Vorstellung einer Idee, kommt aber nicht beim Abstraktionismus an; da ist eine Erzählung, aber man kann deshalb nicht behaupten, wir stünden vor einem Werk des Figurativismus. So finden wir keine Folgsamkeit gegenüber den von der Kunst der Vergangenheit bestimmenden Kriterien vor.

Auf einer Ebene finden sich Natur, Mensch, Bewohner der gleichen Welt und die Vorstellung von dem, was aus ihr werden kann. Die Kontinuität, die nicht linear, sondern von Brüchen markiert ist, wird Figuren, Menschen zugewiesen, in der wir uns selbst erkennen und die zugleich jene ist, die wir uns in der Vorstellung von ihr machen. Metaphysik? Vielleicht, wenn wir sie neu durchdenken.
Wenn der Mensch ein Produkt seiner Zeit ist, wie Hegel sagte, verkündet Erich Wilker durch seine Kunst diese Idee. Wir laden Sie ein! Öffnen Sie ein grundlegend neues Fenster, einen neuen Blick auf unsere Welt. Finden Sie mit Erich Wilker ein neues „ABC“ und Grundform einer neuen Bildkunst.
Abb: Erich Wilker 1977, Titel: Abzeigen fort zusetzen, Tempera und Tuschezeichnung
auf Büttenpapier
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Wechselbilder oben:
Abb.1:
Erich Wilker 1991, Pastell und Tusche auf grau-braunem Karton, ohne Titel
Abb.2: Erich Wilker 1969 " Tusche auf Zeichenkarton, ohne Titel
Abb.3:
Erich Wilker 1977 " Amtmannssstele +Handwelt" Tempera,Tusche und Bleistift auf Karton
Abb.4:
Erich Wilker 1974 Text/ Lyrik " Der Mensch will wissen"
Abb.5:
Erich Wilker 1974 " Der Alte" Tempera,Tusche und Bleistift auf Karton
Abb.6-7: Video-
Textinfo "Begründung einer neuen Bildsprache"
Abb.8: Erich Wilker 1977 " Weinablassharve", Tempera, Tusche und Bleistift auf Bütten


