ERICH WILKER 1969 

WARUM ABSTRAKTION  (Text von Erich Wilker, Ausschnitt)


Um die zwanzig Nachkriegsjahre zu beleuchten, muss gesagt sein, dass es wahrscheinlich notwendig gewesen ist, nach dem 2. Weltkrieg eine Periode der Restauration einzuleiten. Zwei gedanklich diametral tendierte Gesellschaftsformen stehen sich seit der Weltlage gegenüber. Die Vor-Kriegs-Probleme, revolutionäre und evolutionäre Entwicklungen, verloren ihre zeitbestimmende Kraft, durch eine militärisch entschiedene Lage.

Das Bewusstsein der gesellschaftsbestimmenden Elemente war zu unbedeutend, oder so sehr unopportun, ausrangiert, um der neuen Nach- Kriegs-Welt- Lage ein folgerichtig, philosophisch begründetes Neu- Gesicht, - den beiden großen Mächten - eine neue dritte Macht menschlicher Existenz zu geben oder gegenüber zu stellen. Anstelle besseren Wissens und Wollens neuer Form, pflegte man das Bewusstsein der ausfüllenden Not.
Betrüben muss heute wieder die Feststellung, dass eine aufgeschreckte Masse Leute meint, wenn nun, heute, argumentiert wird, dass es sich hier jetzt um die Durchsetzung der einen oder anderen alten, bekannten Sache, sprich Gesellschaftsordnung drehe. Was in Zukunft Existenzberechtigung im Sinne gültigen Wissens findet, das ist etwas absolut bestimmend Neues.


                 Abb. Erich Wilker 1989,  ohne Titel , Tusche, Tempera, Bleistift auf Bütten

Voraussetzung hierzu aber ist die Kenntnis der alten Regeln, die uns diese Weltlage gab. Und hier stehen wir vor dem wahrhaftigen Gespenst der Halb- und Unklarheiten, orthodoxen Praktiken und Massen-suggestionen, in einem Gewirr hilflos machender Bewusstseinsgassen, neukleinstaatlicher und fast mittelalterlicher Natur. Inmitten so auch die Kunst, mit einsiedlerischen und flagellanten Tendenzen, hörig, kleinbürgerlich, allürbesessen, makaber im begierigen Fleiß um eine Heiligsprechung dieser dekorativen Unzulänglichkeit.


Unmittelbar aus der gepflegten Gedankenhaltung und Kunst der Gegenstandslosigkeit heraus, welche schon ganz in dem erwähnten Indifferentismus scheinäugigen Bürgertums wurzelt, schlug und schlägt ein Pendel, teils skurrilen Opponierens, Richtung gegen alles oder aber wenigstens laut, Parolen des neunzehnten Jahrhunderts im Munde, welches zumeist die jüngere, westliche Generation erfasst hat. Es sind das die Fehden und Feldzüge des Pop und Op, des Beat und Hippie, die durchaus interessante Fahnen und naturalisierende Vorzüge haben, ja wahrscheinlich sogar schon ein unbewusster Vorgriff neuen Variierens kommender Zeiten sein mag. Es ist dieses eine Tendenz der Artikulation, psychisch physisch bedingt, emotionell und vorwiegend pubertent. Es spricht viel, sagt aber nahezu nichts. Was absolut nicht das Letzt schlechteste sein muss.


Wenn nun NADA einer neuen Sache Ausdruck geben soll, so geht diese Kunst einige Schritte zurück, was kein Rückschritt ist.
NADA = NACH DER ABSTRAKTION = könnte der solide Aufbau unseres letzten verantwortlichen Denkens überhaupt sein.




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Wechselbilder oben:




Abb.1-2: Abstraktionen Paul Cezanne, 1895, ",Laub" SW geändert, Wikipedia

Abb.3-5: Video Textbilder "Die Erneuerer",
               Paul Cezanne 
Wikipedia, Pablo Picasso  Wikipedia,
               Erich Wilker 1990, Spanien, Calpe

Abb. 6: Video Textbild "Warum Moderne" Andreas Wilker 2026
Abb. 7: Video Textbild "Form des Wissens" Andreas Wilker 2026
Abb. 8: Erich Wilker Foto 1973 mit Galerie Ben Wargin, Berlin

Abb. 9: Video Textbild "Erich Wilker" Andreas Wilker 2026

Abb. 10: Erich Wilker Zeichnung 1977, aus Serie "Zur Paulus Bucht"

Abb. 11: Video Textbild "Erich Wilker Begründer Bildsprache" A. Wilker 2026